Saturday, November 10, 2007

Sheydans 4. Brief

Gelehrter Herr Wilfried Appelköm, Adeptus Minor!
Meine Glückwünsche zur erlangten Würde! Wenn ich das nächste Mal in Fasar weile, werden wir diesen Umstand gebührend feiern!
Ihr fragt nach dem zweiten Stabzauber für meinen dritten Stabzauber... ein dunkles Kapitel in der Geschichte meines Werdegangs. Offenbar bin ich ohne den Halt der Akadamie nicht in der Lage, einen anständigen Stabzauber zu produzieren. Es ist erbärmlich. Ich schäme mich in Grund und Boden, jedes Mal endet der Versuch, ein Flammenschwert zu erlangen, in der Zerstörung. Und nun habe ich noch nicht einmal mehr das Licht in der Dunkelheit. Doch ist dafür auch keine Zeit.
Der Weidener Winter zehrt an den Kräften. Das einzig Gute ist, dass niemand sich wundert, dass permanent ein Tuch mein halbes Gesicht verdeckt. Im Sommer ist es jedenfalls schwieriger, meine neue Mode glaubhaft zu tragen, aber Ihr habt ja selbst gesehen, wie furchterregend dies Rubinauge ist. Und furchterregend nicht nur für andere, fürwahr, auch ich selbst werde mich wohl nie daran gewöhnen können, nicht mehr wie eine normale Frau auszusehen. Selbst Rautried hält immer noch einen kleinen Abstand, auch wenn wir uns durchaus wieder angenähert haben, spüre ich doch immer wieder, wie er zurückschreckt, wenn ich abends meine Kopfbedeckung zur Seite lege.
Dafür sah ich gestern etwas, was ich zuvor noch nie wahrgenommen hatte: Ein breites magisches Band über der Stadt Baliho, in Ost-West-Lage, von einer Größe und Macht, wie es unvorstellbar ist. Es nahm mir mein ganzes Denken für den Moment, und nur der Geistesgegenwart meiner Gefährten ist es zu verdanken, dass ich nicht den ganzen Ort verschreckt habe, mit meinem Verhalten und meinem desaströsen Auge. Ach dahin mein Traum, jemals einen respektablen Magus zu finden, der mich ehelicht und mit dem ich kleine magisch begabte Nachkommen haben kann.) Wobei ohnehin fraglich ist, ob ich nach dem rapiden Altersverfall noch fruchtbar sein kann. Also verschreibe ich mein Schicksal dem Kampf gegen IHN, der mich berührte und verseuchte, wie gegen alles Schwarze und gegen die mentale Dunkelheit per se. Wahrlich, ich klinge fast schon wie ein Inquisitor der Praioskirche.
Ihr fragt nach Djamila, nun, nur die Zwölfe wissen, wo sie abgeblieben sein mag, wir wissen es jedenfalls nicht. Dafür ist Dirian Dunkelstein, ein Apothekarius, nun ein stetes Mitglied unserer Truppe. Im Vertrauen gesagt, er ist ein Halbelf, auch wenn es nicht gleich sichtbar ist, so ist sein Denken und Trachten oft nicht nachvollziehbar.
Weiden mit seiner Kälte und seinen abergläubischen Bräuchen ist jedenfalls nicht das Land meiner Wahl, wenn Ihr versteht was ich meine. Auch wenn Sturmhart und Edorian von hier stammen, werde ich mit dem Volk doch nicht warm. Erwähnte ich schon, dass Edorian mittlerweile geradezu erträglich und gelegentlich sogar umgänglich ist? Auch wenn er es immer noch am gebührenden Respekt meinem Stand gegenüber fehlen lässt. Aber er scheint zumindest Rautried zu vertrauen, und dieser ist, wie Ihr wisst, was Intelligenz und Integrität angeht, über jeden Zweifel erhaben.
Das, was wir verfolgen scheint merkwürdig. Habt Ihr je von Vampiren gehört? Ich füge eine Abschrift meiner Notizen bei, ich bitte, diese auch der Magischen Bibliothek der Akademie zukommen zu lassen. Nachträge werde ich sicher machen, diese aber bei meinem nächsten Besuch, so ich ihn denn erlebe, der Akademie zukommen lassen. Aber zunächst ist dies alles, was ich an Wissen und Beobachtugen aufbringen konnte. Nie zuvor habe ich so kreativ und inbrünstig gebetet, während ich einem solchen Wesen nur meinen Stab um die Ohren schlagen konnte. Aber scheinen die Gebete mehr Wirkung gehabt zu haben als die Schläge des Stabes.
Nun, die Nacht schreitet voran und Rautried knurrt mich an, weil ich die Kerze löschen soll.
Ich hoffe inbrünstig auf ein Wiedersehen, allein weil dies bedeutet, dass ich diese Mission überlebt habe.
Eure Schwester im Geiste
Sheydan Saimansuni
Adepta Minor dBAzF

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